Sie befinden sich hier:

Gesundheitsbildung trotz(t) Corona-Krise – Kursleitungen im Interview


Während Kursleitungen in den Sparten EDV, Beruf und Sprachen schon vielfältige Erfahrungen mit digitalem Unterricht machten, galt Gesundheit lange als „letzter analoger Bereich“. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch und so wich die Skepsis in den letzten Monaten. Studienbereichsleiterin Nicola Biege zieht nach einem Jahr Corona-Pandemie ein positives Fazit: Der Kursbetrieb im Gesundheitsbereich läuft digital weiter und er läuft immer besser. Ob Pilates, Meditation, Yoga, Wirbelsäulengymnastik, Faszientraining oder Ernährung – Interessierte finden trotz Lockdown ein vielfältiges und qualitatives Angebot. 16 Kursleitungen, die vor Corona in Präsenzkursen unterrichteten, lassen sich auf das digitale Abenteuer ein. Sie sind sich einig: Die Krise ist richtungsweisend für die Gesundheitsbildung der Zukunft.

Im Interview erzählen vier Kursleitungen, wie sie den Wechsel von Präsenzkursen zu Online-Formate gestaltet haben und welche Erfahrungen sie und ihre Teilnehmenden gemacht haben.

 

VHS: Im Herbst 2020 haben Sie kurzfristig Online-Kurse angeboten. Wie haben sie sich darauf vorbereitet?

Alejandra Mendez: Ich unterrichte in Unna seit 2018 Hatha-Vinyasa-Yoga und Yin Yoga. Im Herbst war absehbar, dass der Online-Unterricht bis auf Weiteres die einzige Möglichkeit ist, die Kurse weiterzuführen. Yoga ist meine Leidenschaft und ich freue mich immer, wenn Menschen Interesse haben mitzumachen und von mir zu lernen. Deswegen habe ich mich direkt zu einer Fortbildung der VHS über das Videokonferenztool BigBlueButton angemeldet. Ute Herzog, die schon länger in Unna Integrationskurse online gibt, hat uns eine fundierte Einführung in das Programm und didaktische Tipps gegeben. Einige Testläufe später und mit einem neuen Mikrofon ausgestattet, konnten meine zwei Online-Yoga-Kurse dann starten. Bis heute laufen Sie jede Woche. Wir treffen uns sogar in den Ferien – im Urlaub ist ja sowieso keiner.

 

VHS: Warum unterrichten Sie live und stellen den Teilnehmenden nicht einfach Videos zur Verfügung?

Hildegard Hoffmann: Ich unterrichte Pilates, Yoga und Meditation. Mit Online-Pilates-Stunden fing ich im Januar an. Meine Teilnehmenden mögen die persönliche Ansprache und bleiben gerne in Kontakt. Denn neben dem Üben ist vielen das soziale Miteinander in Kursen wichtig. Es motiviert auch bei dem Training, über einen längeren Zeitraum am Ball zu bleiben. Außerdem wären in Videos das individuelle Begleiten und die Korrektur ja gar nicht möglich.

 

VHS: Wie funktioniert das Korrigieren in Ihren Online-Kursen?  

Angela Hammerschmidt: Nun, das ist schon eine Herausforderung. Die Bewegungen und Haltungen der Teilnehmenden sind natürlich viel schlechter sichtbar als im Raum, wo ich auch mal rumgehen kann. Ich unterrichte Body-Workout und Faszientraining in einer kleinen Gruppe und kann auf jeden Einzelnen eingehen. In meiner „Sporthalle“ Zuhause habe ich extra einen großen Bildschirm an die Wand montiert, damit ich die Videobilder der Teilnehmenden auch aus der Entfernung sehen kann. Vor allem aber funktioniert das Unterrichten über die präzise Anweisung. Ich vereinfache die Übungen und beschreibe sie ganz genau. Das führt dazu, dass ich im Kurs fast permanent rede (lacht).

 

 

Alejandra Mendez: Ich konzentriere mich ebenfalls auf die einfachen Haltungen. Die sind nicht weniger wirksam und die komplizierteren Übungen bewahre ich mir für die Präsenzkurse auf. In meinen Kursen haben die Teilnehmende meist die Kamera gar nicht an, da ist jede*r ganz auf sich konzentriert.

Frank Winkelkötter: Damit ich ganzkörperlich zu sehen bin, muss ich viel Abstand zu meinem Bildschirm wahren. Ein Fernglas kann ich schlecht vor den Augen halten. Darum ist mein Bestreben im Unterricht immer so anzuleiten, dass ein enger Bezug zum eigenen Körper hergestellt wird und die Teilnehmenden sich selber gut spüren. Dadurch ist das Risiko, etwas falsch zu machen, minimiert. In meinen Kursen lernt man auch Basics zur Körperhaltung, zum Beispiel wie man gut und richtig steht.

 

VHS: An wen richten sich Ihre Online-Kurse?

Frank Winkelkötter: Ich habe im November mit dem Online-Unterricht begonnen. Meinen Kurs „Körper und Rücken spüren – in Ruhe und in Bewegung“ gab es in vorher in der VHS in Präsenz gar nicht. Es haben sich dann ganz neue Teilnehmende angemeldet und auch Leute, die mich als Kursleiter schon kannten. Eine ziemlich bunte Mischung. Eine Teilnehmerin lebt aktuell in Belgien und freut sich, dass sich die VHS ihrem Lebensrhythmus angepasst hat. Die lokale Grenze ist aufgehoben und der Kreis der Teilnehmenden erweitert sich.

Hildegard Hoffmann: Die Erfahrung habe ich auch gemacht. In meinen Online-Kursen habe ich auch Teilnehmende mit gesundheitlichen Einschränkungen, für die die Wege zum zib und zurück nach Hause mit Anstrengungen verbunden wären. Oder für die das Risiko einer Infektion in einem Präsenzkurs in der jetzigen Zeit zu hoch wäre. Online-Kurse sprechen auch Personen an, die familiär oder beruflich stark gebunden sind. Toll, dass wir diesen Gruppen nun auch die Teilnahme an Gesundheitskursen ermöglichen können.

Alejandra Mendez: Man benötigt nicht unbedingt Vorerfahrungen und der Einstieg ist auch nach Kursbeginn noch möglich. Es macht Spaß zu sehen, dass ­neue Teilnehmenden dazukommen und alle Fortschritte machen. Dafür bin ich der VHS wirklich dankbar. Dass sie mich und die Teilnehmenden in dieser schweren Zeit so gut in der Durchführung der Online-Kurse unterstützt.

 

VHS: Was meinen Sie, werden die neuen Formate der Gesundheitsbildung auch nach Corona beliebt bleiben? Die Sehnsucht nach den Präsenzkursen scheint ja trotz alledem groß zu sein.

Angela Hammerschmidt: Die Krise hat uns das Potential digitaler Gesundheitskurse gut vor Augen geführt. Das ist eine Bereicherung, die die Gesundheitsbildung sicherlich langfristig geprägt hat.

Frank Winkelkötter: Ich glaube nicht, dass die Online-Variante den Präsenzunterricht verdrängen kann. Gemeinsam in einem Raum Übungen zu lernen und zu praktizieren – da ist einfach eine besondere Atmosphäre des Miteinanders zu spüren. Das ist unersetzlich.

Hildegard Hoffmann: Ich und meine Teilnehmenden hoffen auch, dass das Infektionsgeschehen die Präsenzkurse bald wieder zulässt. Trotzdem sind die Online-Kurse eine so spannende und positive Erfahrung, dass ich entschieden habe, zukünftig beides anzubieten: Pilates im zib in Präsenzform und auch als Online-Kurs.


Zurück